Aktuelles
Letzte Aktualisierung: 06.11.2016

Katholische Pfarrei
Liebfrauen Leipzig-Lindenau

(Maria Himmelfahrt)

Inhalt

 

Ökumenischer Gottesdienst
am Reformationstag
in Bethanien

 

 


 

Predigten am Reformationstag

 

 


 

Predigt am Reformationstag von Dr. Jürgen Grabner

Liebe Schwestern und Brüder!

Am Obststand im Supermarkt gibt es eine vielfältige Auswahl. Neben Äpfeln, Birnen und Weintrauben entdecke ich auch exotische Früchte. Wie die heißen, weiß ich meist nicht. Wenn ich einkaufe, interessiert mich in erster Linie die Frucht. Wie sie gewachsen ist und wie sie heißt, bleibt zweitrangig.

Ein Obstgärtner hat eine ganz andere Sicht auf Früchte als ich; egal ob er Obstanbau als Hobby oder beruflich betreibt. Ein Gärtner weiß, was für gute Früchte nötig ist. Das Wetter kann er zwar nicht beeinflussen. Aber er pflegt die Obstbäume und -büsche. Der Gärtner beschneidet die Pflanzen. Er gießt, düngt und stützt sie ab. So bringt die Pflanze Früchte hervor. Die Früchte wachsen, gedeihen und werden reif.

Jesus erzählt vom Weinstock und den Weintrauben. Die Arbeit eines Gärtners war den Menschen damals sehr vertraut. Denn die meisten hatten ein kleines Feld oder wenigstens ein paar Beete.

Jesus vergleicht sich selbst mit dem Weinstock. Seine Freunde und Weggefährten bezeichnet er als die Reben, die Früchte. Und er sagt: ‘Ein ertragreiches, ein fruchtbares Leben ist für euch dann möglich, wenn ihr mit mir verbunden bleibt. Von meiner Seite und von der meines Vaters ist alles getan. Ihr habt ja mein Wort. Das Wort ist wie die Nahrung. Es lässt euch wachsen und hält euch lebendig. Und mein Vater, der Winzer, pflegt sorgsam die Früchte. Damit hat er beste Voraussetzungen geschaffen. So kann alles gut gedeihen. Eine reiche Ernte wird heranwachsen. Darauf könnt ihr euch verlassen!‘ – Wichtig ist für Jesus die bleibende Verbindung zwischen Weinstock und Reben. Fast beschwörend wird das von ihm betont.

500 Jahre nach der Reformation erinnern wir uns heute gemeinsam an Christus, den einen Weinstock. Ob katholisch oder evangelisch – wir hängen alle an demselben Stamm. Und sämtliche Reben am Weinstock haben die gleiche Aufgabe: Früchte zu bringen! Die Früchte an einem Weinstock sehen unterschiedlich aus. Es gibt größere und kleinere. An der einen Rebe hängen viele Trauben, an der anderen weniger. Aber ihre Nahrung beziehen sie alle aus demselben Stamm. Und es gibt auch nur einen Weingärtner: den dreieinigen Gott.

Als Lutheraner und Katholiken leben wir unseren Glauben jeweils unterschiedlich. Aber wir sind alle dieselben Früchte – oder manchmal vielleicht auch Früchtchen. Dass wir zusammengehören, haben wir nicht selbst gemacht. Das verdanken wir dem einen Weinstock: Christus. Mit ihm sind wir verbunden. Und das hält uns auch untereinander zusammen. Im Lauf der Geschichte wurde das leider vergessen. Aber seit etlichen Jahrzehnten erinnern sich Christinnen und Christen beider Konfessionen wieder daran: Wir gehören zusammen! Hier im Leipziger Südwesten haben ökumenische Gottesdienste und gemeinsame Bibelwochen eine gute Tradition. Das ist wie die nährende Verbindung der Reben zum Weinstock. So wird unser Glaube fruchtbar und ertragreich. Auch im heutigen Gottesdienst zeigt sich: Wir gehören zu Christus, dem Weinstock genauso wie zueinander. Das eine gibt es nicht ohne das andere. Und dafür bin ich Gott dankbar.

Jesus ermutigt zu einem verbindlichen Leben. Wir sollen mit ihm und unseren Mitmenschen verbunden bleiben. Weil er uns nahe ist, können wir einander nahe sein. Das hat Jesus vorgelebt. Er blieb in Verbindung zu Gott und war für seine Freunde und Weggefährten genauso da wie für Ausgegrenzte und Fremde. Und in seinem Geist und seinem Wort ist er auch für uns da. Er bleibt uns treu. Sein Wort stärkt uns heute. So können auch wir treu beieinander bleiben. Das macht unser gemeinsames Christsein aus: Miteinander verbunden sein über Konfessions- und Gemeindegrenzen hinweg. Durch die Verbindung zum Weinstock gibt es viele lebendige und durchaus unterschiedliche Früchte.

Vielleicht erinnern Sie sich beim nächsten Einkauf am Obststand im Supermarkt an die Zusage Jesu: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.“ Das feiern wir dankbar in diesem ökumenischen Gottesdienst.

 


 

Predigt am Reformationstag von Pfarrer Thomas Bohne

Liebe Gemeinde,

keine Angst ich predige nicht so lange; zum Mittagessen sind Sie pünktlich daheim.

Ich will auch nur drei Gedankensplitter nennen, die mit dem heutigen Tag und dem Predigttext in Beziehung stehen.

Ein Erster: Ein Persönlicher Bezug. Als Du, lieber Jürgen Grabner zu uns in das Stadtgebiet im Leipziger Süd-Westen kamst, dachte ich mir: Den kennst Du.

Dann habe ich eine Weile überlegt und kam dann drauf-ich kannte Dich aus dem Kino.

Ja, Du warst einer der Protagonisten aus dem Film PFARRER, der vor 2 Jahren auch hier beim DOK-Festival lin Leipzig lief. Es ging um junge Vikare, die sich auf ihren Dienst in einer Ausbildungsstätte in Wittenberg vorbereiteten. Du gehörtest damals dort zu ihren Ausbildern. Der Film beeindruckte durch die lebensnahe Beobachtung über ein ganzes Jahr hinweg – eingerahmt in den natürlichen Ablauf der vier Jahreszeiten. Das Filmteam mit den Regisseuren Stefan Kolbe und Chris Wright gab sich als atheistisch und ungläubig.

Doch dann passierte im Film das fast Unglaubliche, dass die Protagonisten bei einer Predigtübung den Filmemachern zuriefen: Was glaubt denn ihr?

Und während der eine Regisseur weiterfilmte, stand der andere Rede und Antwort. Das war dann ein Dialog auf Augenhöhe von gläubigen Christen mit einem Vertreter einer unchristlichen Umwelt.

Letztlich war es dann bei diesjährigen Katholikentag in Leipzig gar keine Frage, dass dieser Film zum Thema Glauben in säkularisierter Umwelt ins Filmprogramm des Katholikentages kommt.

Das war ein inzwischen selbstverständlicher Ausdruck dafür, dass wir, evangelische wie katholische Christen, beim Thema Glauben in einem Boot sitzen: In einer Umwelt, die immer weniger glaubt.

Zweiter Gedankensplitter: Als ich den heutigen Predigt-Text aus Johannes 15 mit der Bildrede vom Weinstock sah, mußte ich an einen Besuch mit Gemeindemitgliedern am 8. Oktober in Wittenberg denken. Da hing in einer Kirche auch ein Bild vom Weinstock-ja vom Weinberg. Nur, dass da auf einer Seite ein verwüsteter Weinstock gezeigt wurde, auf der sich die katholischen Vertreter aufhielten. Die andere Seite zeigte einen blühenden und üppig grünenden Garten-dort waren die Reformatoren abgebildet.

Das war Propaganda vor 500 Jahren, aber die Zeiten sind vorbei. Heute fragen wir eher nach unserer gemeinsamen Verantwortung für diesen Weinstock. Und heute werfen wir uns auch nicht gegenseitig Fehler vor-sondern fragen, wo unser Christuszeugnis nicht glaubwürdig, in dieser Umwelt nicht überzeugend war.

Kleine Bemerkung am Rande: An diesem 8. Oktober besuchte Königin Sylvia aus Schweden die Lutherstadt Wittenberg und pflanzte dort einen Baum. Das ist für diesen ökumenischen Gottesdienst am Reformationstag hier im Leipziger Südwesten nicht ganz uninteressant. Denn Ihr Onkel, Professor Sommerlath, beteiligt sich noch zu Zeiten einer strikten Trennung von evangelischen und katholischen Christen in den sogenannten Una-Sancta-Kreisen, die es hier in unserem Stadtgebiet bereits in den 30-iger Jahren gab. Dort haben evangelische

und katholische Theologen in nahezu konspirativen Sitzungen Gemeinsamkeiten zu leben versucht. Dass wir heute, am Reformationstag, hier in dieser Bethanienkirche den ersten Ökumenischen Gottesdienst feiern-ist auch eine Frucht dieser frühen ökumenischen Anfänge.

Dritter Gedankensplitter:

Ich trage bewusst diese weiße Stola über meiner Albe.

Wir feiern ein Christusfest. Das zeige ich damit an. In der katholischen Kirche wird immer ein Christusfest mit der liturgischen Farbe Weiß gefeiert: Weihnachten Ostern, Himmelfahrt. Ich finde das auch an diesem Reformationstag sehr passend. Haben nicht gerade die Reformatoren Christus, der uns zuerst im Evangelium begegnet, wieder nahe gebracht. Daher kommt ja auch letztlich der Name für die spätere Konfession: evangelisch.

Und wir können auch als Katholiken aus ganzem Herzen mitfeiern: Verdanken wir doch gerade den Reformatoren und speziell Martin Luther eine Wiederentdeckung: das allgemeine Priestertum aller Gläubigen. Was daraus dann wurde: der Lektorendienst, Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfer, Diakonatshelfer – das alles ist aus dem Katholischen Gottesdienst nicht mehr wegzudenken. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65), also 450 Jahre nach der Reformation, gehört das beispielsweise zur unumstößlichen katholischen Lehre, wie auch die Wiederentdeckung der Heiligen Schrift als entscheidende „Urkunde unseres Glaubens“.

Nun bin ich da auch schon an einem Ende und kann nichts anderes tun, als zum Glaubensbekenntnis überzuleiten, dem gemeinsamen Gott, der seinen Sohn Jesus Christus in diese Welt gesandt hat:

(GLAUBENSBEKENNTNIS-Glaubenslied)